Blinder Weltrekord-Läufer beim Zürich Marathon

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Bild: Henry Wanyoike, Begleitläufer Paul und Marcel Hug

Henry Wanyoike ist der Weltrekordhalter im Marathon für blinde LäuferInnen. Mit 2:31:31 erzielte er diese Bestzeit 2005 in Hamburg. Bis heute ist er ungeschlagen. Jedes Jahr startet er bei vielen Läufen in aller Welt. Aber Zürich ist die Stadt, in der er am Sonntag nach fünf Jahren wieder einen vollen Marathon laufen wird. Auf Einladung des Zürich Marathons und dem Schweizer Behindertensportverband PluSport startet er am Sonntagmorgen zusammen mit der Schweizer Spitzenathletin Chantal Cavin auf eine neue Bestzeit zu. Seit Dezember letzten Jahres hat er für den Zürich Marathon trainiert – und das in Kenia in ca. 2.000 Meter Meereshöhe. „Ich glaube, dass ich nahe an meine Bestzeit herankommen werde, weil zwischen Zürich und meiner Trainingsstrecke in Kenia liegen 1.500 Höhenmeter und je näher es zur Meereshöhe ist, desto leichter fällt zu laufen, weil dort mehr Sauerstoff ist“, sagt Henry.

Erblindung im Alter von 21

Henry war nicht immer blind. Der heute 44-jährige erblindete im Alter von 21 Jahren in Folge eines Schlaganfalls, den er in der Nacht erlitt. Innerhalb weniger Stunden hatte Henry sein Augenlicht verloren. Vor seiner Erblindung war er begeisterter Hobbysportler. Erst danach wurde er zum Weltklasse-Spitzensportler, den die paralympische Sportwelt kennt. Seit vielen Jahren ist er Botschafter für die Schweizer Fachorganisation für Menschen mit Behinderung, Licht für die Welt.

In seiner Heimat Kenia ist Henry bekannt wie ein Superstar. Trotzdem lebt er nach wie vor in einfachen Verhältnissen mit seiner Frau und den Kindern in einem kleinen Dorf, wo sie ihre Kinder grossziehen. Und sie haben Kühe, Gänse und Hühner und züchten ihr eigenes Gemüse. Obwohl Henry ein Weltstar ist, leben er und die Familie bis heute ein bescheidenes Leben. Und nicht nur das. Henry hat schon 2005 die Henry Wanyoike Stiftung und eine Schule gegründet, in der Kinder aus armen Verhältnissen mit und ohne Behinderungen zusammen lernen und gemeinsam gefördert werden.

Über Henrys Leben, seine sportlichen Erfolge und seine Arbeit als Menschenfreund wurde bereits das Buch „Mein langer Lauf ins Licht“ veröffentlicht, das auch in Deutsch erschien. Er ist auch der Protagonist in dem Film „Gold“, der auch im deutschsprachigen Raum bekannt wurde. 

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Henry Wanyoike in Zürich

Schon am Montag dieser Woche kam Henry mit seinem Begleitläufer Paul und seiner Frau Myllow am Flughafen in Kloten an. Bis zum Lauf-Marathon am Sonntag haben sie noch einen wahren Termin-Marathon vor sich.

Am Flughafen in Kloten wurde die Dreiergruppe von einer Delegation von Licht für die Welt und PluSport abgeholt. Besonders Chantal Cavin freute sich den bescheidenen Kenianer kennenzulernen. Henry startet als kenianischer Ehrengast mit der Startnummer 1 und die eidgenössische Top-Athletin Chantal mit Nummer 2. Chantal wird mit zwei Begleitläuferinnen den Marathon bestreiten, Henry hat nur einen Begleitläufer. Beide sind mit einer sehr kurzen Schnur miteinander verbunden, die sie mit den Händen locker halten, sodass sie sich nicht beim Laufen behindern. Für die BegleitläuferInnen ist das Schwerstarbeit.

Am Dienstag trafen sich Henry und Chantal Cavin mit dem Schweizer Politiker Thomas Heiniger am Seebecken beim Bürkliplatz und liefen einige Runden als Warmup. Am Nachmittag war die Gruppe aus Kenia und die Vertreter von Licht für die Welt Ehrengäste bei der Swiss Eye Wear AG in der Freilagerstrasse. Die Firma unterstützte bereits früher die Arbeit von Licht für die Welt. 

Am Mittwoch fuhr die Gruppe aus Kenia zum weltbekannten Paraplegikerzentrum nach Nottwil. Dort trafen sie sich mit dem wohl berühmtesten Para-Athleten Marcel Hug, der leider nicht beim Zürich Marathon mitmachen wird. Er fliegt nämlich schon in ein paar Tagen nach London und wird versuchen Weltmeister im Rennrollstuhlfahren beim London-Marathon zu werden. Die beiden Athleten wünschten sich viel Glück bei ihren ambitionierten Vorhaben in Zürich und London.

Nach vielen Terminen mit Schweizer Medien besuchen sie am Donnerstag die Zentrale der Pallas Kliniken in Olten. Die Pallas Kliniken haben als führende Schweizer Klinikgruppe bei Augengesundheit Henry und seine Freunde aus Kenia eingeladen und sind die Hauptsponsoren für den kenianischen Spitzenstar. In Olten treffen sie sich mit den führenden Pallas-Ärzten und berichten den Experten im Rahmen einer Fortbildung darüber, wie es ist blind zu sein in einem Entwicklungsland wie Kenia.

Henry und sein Begleitläufer Paul besuchten am Donnerstag die Sponsoren Pallas Kliniken in Olten, die den Besuch der kenianischen Spitzenläufer in Zürich erst möglich gemacht haben. Zusammen mit Gabriel Müller von Licht für die Welt Schweiz berichtete Henry den Ärzten der Kliniken über die Schwierigkeiten von Menschen mit Behinderungen in afrikanischen Ländern.