COVID-19 in einem überfüllten UN-Lager im Südsudan

Sophia Mohammed von LICHT FÜR DIE WELT über COVID-19 im Südsudan: „Die Zeit drängt, Nothilfe muss auch Menschen mit Behinderungen erreichen.“
Menschen in einem Lager (c) Light for the World

 

In JUBA, der südsudanesischen Hauptstadt, wurden die ersten Coronafälle in einem Lager bestätigt, in dem über 32.000 Flüchtlinge leben. "Die Nachricht, dass COVID-19 Juba erreicht hat, kommt nicht überraschend“, meint Sophia Mohammed – Country Director von LICHT FÜR DIE WELT. „Aber was als nächstes passiert, wird entscheidend sein. Die Menschen leben auf sehr engem Raum und sie sind hungrig. Wir sehen immer mehr Fälle von extremer Unterernährung bei Kindern und Erwachsenen mit Behinderungen.“ In der Vergangenheit waren Menschen mit Behinderungen nicht in der Lage, Zugang zu internationaler Hilfe oder Unterstützung zu erhalten.

„Wir haben folgende Bitte an Regierungen und Hilfsorganisationen:“, erklärt Mohammed weiter, „Machen Sie alle Nahrungsmittel und die Hilfe von COVID-19 für alle zugänglich. In den Lagern leben schätzungsweise 250.000 Menschen mit Behinderungen – lassen Sie niemanden zurück!“

Da der Südsudan mit zu den Ländern gehört, die am wenigsten auf die Ausbreitung des Virus vorbereitet sind, ist Unterstützung hier besonders wichtig. Das Land war eines der letzten Länder Afrikas, das einen COVID-19-Fall bestätigte.

Da die Lager häufig an entlegenen Orten liegen und es auch Reisebeschränkungen gibt, ist die Behandlung und Eindämmung des Virus extrem schwer. Hinzu kommt der Mangel an medizinischen Hilfsgütern. Ausserdem wurde bis Ende April fast keiner der 10 Millionen Menschen, die weltweit in solchen Lagern leben, auf das Virus getestet.

MitarbeiterInnen von Hilfsorganisationen im Südsudan haben davor gewarnt, dass es kaum Isolationszentren gibt, um Menschen zu behandeln, falls sich das Virus in den überfüllten Lagern auszubreiten beginnt. Das Gesundheitssystem des Landes stützt sich bei fast allen Gesundheitsdiensten auf NGOs.

In der vergangenen Woche hat die Regierung entschieden, die Massnahmen zur Virusabwehr teilweise zu lockern. Dabei seien die meisten Fälle im vergangenen Monat durch lokale Übertragung entstanden. Bars, Restaurants und Märkte haben ihren Betrieb wieder aufgenommen.