COVID-19 in Uganda: Behinderung wird zur Existenzbedrohung

Umfrage in Uganda: Existenzielle Ängste sind grösser als die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus.
Licht für die Welt und die NGO Track FM haben während des Lockdowns in Uganda Menschen gefragt, wie es ihnen geht © Track FM

"Vor dem Ausbruch der Coronakrise habe ich Geschäfte gemacht und war angestellt. Jetzt habe ich kein Einkommen mehr. Manchmal sind wir sehr hungrig, wissen aber nicht, woher wir etwas zu essen bekommen sollen“, erzählt Lillian. 

So wie Lillian ergeht es knapp der Hälfte der TeilnehmerInnen einer Umfrage, die Licht für die Welt gemeinsam mit der NGO Track FM im April und Mai 2020 durchgeführt hat. Mithilfe der Radiosendung „Let’s Talk“, die auf den beliebtesten Radiosendern des Landes ausgestrahlt wird, wurden mehr als 13.000 Menschen in den abgelegensten Orten Ugandas befragt, wie es ihnen während des Lockdowns ergangen ist. Zusätzliche Antworten ergaben Telefoninterviews und SMS. 

 13.000 Menschen mit und ohne Behinderungen wurden via Radiosender befragt ©Track FM

Existenzen vor dem Abgrund

In einem Land, in dem zwei Drittel der Bevölkerung von der Hand in den Mund leben, hatte der 36-tägige Lockdown schwere Auswirkungen. Daseinsängste waren schnell grösser als die Sorge vor einer Infektion mit dem Coronavirus. Lediglich 14% der Menschen mit Behinderung und 15% ohne Behinderung fürchten sich vor einer Ansteckung. 

Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung Ugandas haben kein stabiles Arbeitsverhältnis. Sie sind nicht versichert, haben keine Arbeitsrechte oder eine Gesundheitsvorsorge. Was sie tagsüber verdienen, geben sie unmittelbar für ihre Familien aus. Mit dieser Art von Einkommen können sich die Menschen kaum Geld zur Seite legen. Doch über 16% der Befragten mit und ohne Behinderung mussten während des Lockdowns auf ihre Ersparnisse zurückgreifen. 

Grosser Zusammenhang zwischen Armut und Behinderung 

Die Gefahr in Armut abzurutschen ist für Familien, die sich um jemanden mit Behinderung kümmern, um 38% grösser. Diese Angst spürt auch Musa. Er hat eine Sehbeeinträchtigung und muss sich oft auf die Hilfe von anderen verlassen um seinen Alltag zu bewältigen: „Seit dem Coronavirus habe ich nur ein kleines Einkommen – ich möchte meine Ersparnisse nicht antasten.“ 

 
Social Distancing ist für Musa schwierig, weil er aufgrund seiner Sehbeeinträchtigung manchmal Hilfe von anderen braucht. © Licht für die Welt

43% der Befragten mit Behinderungen und  ihre BetreuerInnen konnten in der Zeit des Lockdowns nur dank der Hilfe von anderen überleben. „Unsere Pflanzen sind noch nicht reif für die Ernte und manchmal haben wir nichts zu essen“, erzählt Ben, der eine Hörbeeinträchtigung hat. „Wir teilen das Essen mit unseren Nachbarn und wenn diese etwas haben, teilen sie mit uns.“ 

Einfache Lösung für große Sorgen

Menschen mit Behinderung kann durch gezielte Unterstützung geholfen werden. Sie mit dringend notwendigen Nahrungsmitteln zu versorgen lindert ihre existenziellen Ängste und gibt ihnen ein wenig Spielraum, über nächste Schritte nachzudenken. Sie können alternative Wege entwickeln, Geld zu verdienen und sich auch aktiver am Kampf gegen COVID-19 beteiligen.