Unser Held aus dem Südsudan

Am Welttag der humanitären Hilfe stellen wir Licht für die Welt Mitarbeiter Jiji Stephen aus dem Südsudan vor. Jeden Tag hilft er Kindern mit Behinderung und erzählt, wie seine Hilfe Leben verändert.
Licht für die Welt Helfer Jiji Stephen hilft Kindern mit Behinderung im Südsudan. © Julia Gunther

Jiji Stephen ist gross und stets mit einem breiten Lächeln im Gesicht anzutreffen. Mit 27 Jahren leitet er die Initiative „Sport für den Frieden“ von Licht für die Welt in den Flüchtlingslagern für Binnenflüchtlinge Mahad und  Mangaten ausserhalb der Hauptstadt Juba. Mithilfe von Fussball und Volleyball werden Jugendliche zusammengebracht. 

„Ich lebe im Lager Mahad, verlasse mein Zuhause gegen 6:30 Uhr und fahre mit dem Motorrad ins Büro“, beschreibt Jiji seinen Start in den Tag. Er betreut knapp 300 Menschen im Alter von zwei bis 20 Jahren. „Einige der Kinder haben Bewegungsstörungen, Zerebralparese oder geistige Behinderungen. Andere waren Soldaten und haben sich während der Kämpfe verletzt und jetzt eine körperliche Behinderung.“

Jiji arbeitet mit Kindern mit Bewegungsstörungen, Zerebralparese oder geistiger Behinderung und erkennt Fortschritte. © Julia Guntherjiji arbeitet mit Kindern mit Bewegungsstörungen, Zerebralparese oder geistiger Behinderung. © Julia Gunther

Vom Krieg geprägt

Die jungen Leute, mit denen Jiji zusammenarbeitet sind oft traumatisiert. Der Krieg hat viele unsichtbare Wunden hinterlassen. Auch Jiji ist in dieser vom Krieg zerrissenen Nation im Bundesstaat Jonglei aufgewachsen und versteht die Ängste und Traumata der Jugendlichen gut. 

"Das Leben war nicht einfach", sagt er. „Mein Vater war Bauer, doch er hat uns früh verlassen. Meine Mutter hat alles getan, um genug Geld zu verdienen. Oft hat sie Brennholz gesammelt und es dann verkauft.“

Jiji dachte, dass er später auch einmal Bauer werden würde. Doch als der Bürgerkrieg 2013 ausbrach, wurde sein Dorf zerstört. Von diesem Moment an war Jiji einer von Millionen Menschen, die der Konflikt im Land von Zuhause vertrieben hat. 

"Die Leute rannten auf und ab und versuchten, die Grenze nach Uganda und Kenia zu überqueren", erinnert er sich. „Diejenigen wie ich, die nicht genug Geld für die Überquerung hatten, blieben zurück und landeten in einem Lager für intern Vertriebene. ”

Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden 1,5 Millionen Menschen innerhalb des Südsudan vertrieben. Weitere 2,26 Millionen haben versucht, ausserhalb der Landesgrenzen Zuflucht zu finden. Das entspricht einem Drittel der Gesamtbevölkerung des Südsudan.

„Als ich im Lager ankam, war ich erst 20 Jahre alt“, sagt Jiji.

Neues Leben, neuer Traum

Obwohl Jiji alleine war, schaffte er es, schnell das Vertrauen der anderen zu gewinnen. Er beherrscht mehrere Sprachen und wurde Gemeindeleiter des Murule-Stammes, dem er angehört.

Seine vertrauensvolle und verantwortungsbewusste Art machte ihn zum perfekten Kandidaten, um die Initiative „Sport für den Frieden“ von Licht für die Welt aufzubauen. 

"Damals wusste ich nicht, wie man mit Kindern mit Behinderungen arbeitet", erinnert er sich. „Licht für die Welt hat mir Rehabilitationstechniken beigebracht und jetzt arbeite ich professionell mit den Kindern."

Heute lebt Jiji mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in einem Zelt in Mahad. Er weiss, was die Menschen im Camp durchmachen. Deshalb vertrauen sie ihm.  

Jiji Stephen mit seiner Frau und einem seiner Söhne im Flüchtlingslager Mahad im Südsudan. © Julia GuntherJiji Stephen mit seiner Frau und seinem Sohn im Flüchtlingslager Mahad im Südsudan. © Julia Gunther

Tägliche Herausforderungen und COVID-19

„Wir hatten einen Fall von einem Kind mit Epilepsie, dessen Familie das Lager vor Abschluss der Behandlung verlassen wollte", erzählt er von einer der grössten Herausforderungen, die seine Arbeit mit sich bringt. "Durch die Beratung und Aufklärung über die Situation, haben sich die Dinge jedoch geändert."

Die Corona-Pandemie hat die Situation in den Flüchtlingslagern noch verschärft. Ein COVID-19 Ausbruch an unserem Arbeitsplatz wäre verheerend.

„Es haben sich bereits viele Leute angesteckt und deswegen haben Geschäfte, Schulen und die Grenzen geschlossen. Jedes Mal, wenn wir den Krankenwagen hören, haben wir Angst. Trotzdem besuche ich die Familien auch während der Pandemie und schaue, dass es ihnen gut geht. Ich verteile Gesichtsmasken, kläre über COVID-19 auf und gehe, wenn notwendig, mit den Kindern ins Krankenhaus“, erzählt Jiji. 

Jiji klärt über COVID-19 auf und verteilt Desinfektionsmittel und Gesichtsmasken © Licht für die WeltJiji klärt über COVID-19 auf und verteilt Desinfektionsmittel und Gesichtsmasken © Licht für die Welt

Starke Vorbilder für junge Menschen

Trotz vieler Rückschläge macht Jiji weiter und konzentriert sich auf die schönen Seiten seiner Arbeit: „Ich erinnere mich an den Anruf eines Vaters, dessen Kind ich früher wegen motorischer Beeinträchtigung betreut habe. Er sagte: Danke, dass sie da sind.“

Solche Momente geben Jiji Kraft mit seiner Arbeit weiterzumachen. Mittlerweile ist „Sport für den Frieden“ sechs Jahre alt und hilft Jugendlichen im gesamten Südsudan. 

„Wenn ich sehe, wie sich die Kinder dank meiner Arbeit verändern bin ich sehr stolz. Ich möchte ein Vorbild für die nächste Generation sein, denn sie muss meine Arbeit fortsetzen.“