WHO Jahresversammlung: Konzentration auf COVID-19

Dr. Geoffrey Wabulembo, Medizinischer Direktor für Augengesundheit bei Licht für die Welt, kommentiert die WHO-Jahresversammlung 2020 und ihre Auswirkungen auf unsere Arbeit.
Arzt mit Maske und Mikroskop (c) Light for the World

 

In normalen Jahren im Mai versammeln sich Gesundheitsexperten aus aller Welt in Genf zur Weltgesundheitsversammlung - dem jährlichen Treffen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In normalen Jahren finden in den Hallen des Palais des Nations Gespräche über Kindergesundheit, allgemeine Berichterstattung und Impfkampagnen statt. Aber 2020 ist für niemanden ein normales Jahr - auch nicht für die WHO.

Zum ersten Mal findet die Weltgesundheitsversammlung  „virtuell“ statt. Der Schwerpunkt liegt ausschliesslich auf der COVID-19-Pandemie.

Alle Augen auf COVID-19

Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Direktor der WHO, erläuterte im April: „COVID-19 stellt eine globale Bedrohung dar und Menschen mit Behinderungen dürfen bei der Bekämpfung  nicht zurückgelassen werden.“ 

Die WHO hat im Kontext des COVID-19-Ausbruchs auch eine Reihe herausragender Ansätze zum Thema Behinderung erstellt. 

Die Pandemie und ihre Auswirkungen betreffen insbesondere Menschen mit Behinderungen. Gesundheitsinformationen, Tests und Behandlungen sind für sie oft nicht zugänglich.

Anlässlich des diesjährigen Treffens erinnert Licht für die Welt die Mitgliedstaaten nachdrücklich daran, die WHO Aufforderungen für eine behindertengerechte Antwort auf COVID-19 zu berücksichtigen.

Globale Agenda für öffentliche Gesundheit

Die weltweite Reaktion auf COVID-19 hat die Bedeutung stabiler Gesundheitssysteme und - Planungen gezeigt, die von der WHO nachdrücklich unterstützt werden. Um sich auf die Pandemie zu konzentrieren, hat die Weltgesundheitsversammlung alle anderen Agenda- Themen auf eine spätere Sitzung in diesem Jahr verschoben.

Dennoch gibt es zwei Punkte hervorzuheben.

Erstens Augengesundheit: Im vergangenen Jahr hat der Weltbericht zur Augengesundheit gezeigt, dass von den 2,2 Milliarden Fällen von Sehbehinderung oder Blindheit weltweit mehr als 1 Milliarde verhindert werden könnten oder noch behandelt werden müssen. In dem Bericht wurde klargestellt, dass wir die Augengesundheit in universelle Gesundheitspläne integrieren und ein Maßnahmenpaket zur Förderung, Prävention, Behandlung und Rehabilitation anbieten und dafür Gelder bereitstellen müssen.

Bei der nächsten Gelegenheit wird die Weltgesundheitsversammlung über einen Beschluss zum Thema „Integrierte personenbezogene Augengesundheit, einschließlich vermeidbarer Sehstörungen und Blindheit“ entscheiden. Dieser Beschluss wird die technischen Empfehlungen des Berichts in politische Verpflichtungen übersetzen. 

Zweitens: Vernachlässigte Tropenkrankheiten (NTDs): Die Weltgesundheitsversammlung wird über einen neuen „Fahrplan für vernachlässigte Tropenkrankheiten 2021-2030“ beraten. In diesem Schlüsseldokument werden unter anderem Ziele und Indikatoren für die Beseitigung von Flussblindheit und Trachom festgelegt.

Unsere Arbeit

Die Auseinandersetzung mit der globalen Augengesundheit und NTDs wurde durch COVID-19 erschwert. Und die Herausforderungen steigen mit jedem Tag. Führungskräfte des Gesundheitssektors müssen gemeinsam an Lösungen arbeiten, um die notwendige Sicherung der Augengesundheit so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. Wir brauchen Lösungen, um irreversible Krankheiten, unnötige Produktivitätsverluste und eine zunehmende Abhängigkeit der Betroffenen zu vermeiden.

LICHT FÜR DIE WELT unterstützt Länder wie Burkina Faso, Äthiopien und Uganda dabei, diese Lösungen und dringend benötigtes Equipment zu finden, um sichere Augengesundheitsdienste bereitzustellen zu können. Trichiasis Operationen werden in keinem der internationalen Berichte als Notwendigkeit erwähnt und dennoch erhöht in den endemischen Trachoma-Risikogebieten jedes Blinzeln eines Patienten die Chance, dauerhafte Hornhautschäden und Blindheit zu erleiden.

Während wir uns dem Ziel der Beseitigung von Trachoma und Onchocerciasis als öffentliches Gesundheitsproblem in den Regionen Tigray und Western Oromia in Äthiopien genähert haben, wurden die Aktivitäten und damit auch erreichten Fortschritte von der aktuellen COVID-19 Pandemie unterbrochen. Es wird entscheidend sein, in den kommenden Monaten und Jahren neue und innovative Wege zu finden, um dieses Ziel zu erreichen, ohne die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter, Partner und Begünstigten zu gefährden.

Bemühungen fortsetzen

Derzeit konzentrieren sich unsere Bemühungen auf COVID-19. Aber ähnlich wie die Weltgesundheitsversammlung sind wir bereit, gemeinsam mit Gesundheitsbehörden und Experten in unseren Partnerländern an der Augengesundheit und Bekämpfung von NTDs zu arbeiten. Wir sind bereit, den Kampf für die Augengesundheit für alle mit der WHO und unseren Partnern zum frühestmöglichen Zeitpunkt wieder aufzunehmen.