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Weg vom Einheitsbrei: Mit Inklusiver Bildung Unterschiede feiern

12.07.2022
Die vierjährige Nyamush sitzt am Boden im Südsudan umringt von ihren Schulkolleg*innen. Alle Kinder tragen eine gelbe Bluse mit schwarzem Kragen und schwarze Hosen. Ihr Blick ist wach und interessiert nach oben gerichtet.
Four-year-old Nyamush, a little girl we discovered in one of the IDP camps in Juba, South Sudan, smiling with her sister. She has hydrocephalus, and other growth/physical disabilities, but in the year and a half since we found her, she has started going to school (which she loves!) and is learning alongside other children.
  • Augengesundheit

Die Schulpflicht in Österreich garantiert allen Kindern eine Wissensbasis für ihren Bildungsweg. In vielen Ländern mit niedrigen Einkommen gibt es keine Pflichtschule, vor allem nicht für Kinder mit Behinderungen. Ihre Chance auf einen Schulbesuch liegt im Vergleich bei nur 49%.  

Weltweit leben mehr als 240 Millionen Kinder mit zumindest einer Behinderung oder mit Behinderungen. Es gibt viele Ideen, wie sie in den Schulalltag integriert werden können. Doch oftmals wird auf das klassische System der Sonderschule gesetzt, wo die Qualität des Bildungsniveaus gering und Inklusion ein Fremdwort ist. Es ist an der Zeit, dass wir das Schulsystem verändern. 

Licht für die Welt kennt die Probleme, die mit diesem System der Trennung einhergehen. Parallele Schulsysteme sind teuer und ineffizient. Denn Inklusion muss auch von Kindern ohne Behinderungen gelernt werden. Unsere langjährige Erfahrung zeigt, inklusive Bildung ist der beste Weg, den Teufelskreis aus Diskriminierung und Armut zu durchbrechen. In unseren Programmen schlagen wir daher einen anderen Weg ein, um das Schulsystem zu verändern. Wir fördern Schulen, wo alle Kinder zusammen lernen, auch jene mit Behinderungen. 

Kinder lernen, mit Unterschieden umgehen 

Nyamhush wohnt in einem Flüchtlingslager nahe der Stadt Juba im Südsudan. Sie lebt mit Hydrozephalus. Ihr Kopf ist übermäßig groß und andere körperliche Einschränkungen erschweren ihr das Gehen. 

Nyamushs Mutter konnte mit der Behinderung ihrer Tochter lange Zeit nicht umgehen und versuchte sie zu verstecken, indem sie ihr große Hüte aufsetzte oder ihre Haare färbte. Erst durch die Aufklärung von Licht für die Welt in der Gemeinde kann sie die Behinderung akzeptieren. Mittlerweile ist sie sehr stolz auf ihre Tochter, denn im Mai 2022 hat sie ihr erstes Schuljahr begonnen. 

Der Schulstart war für Nyamush ein großer Schritt und zu Beginn war sie verunsichert, denn sie hatte Angst, nicht akzeptiert zu werden. Aber mit der Unterstützung ihrer Lehrerin hat sie viele neue Freund*innen gefunden, die auf sie achten.  

Nyamush hat in ihrer Klasse viele Freunde gefunden und lernt fleißig mit. Sie ist eine gute Schülerin und hat auf den letzten Klassentest 100% erreicht. © Licht für die Welt 

Gut ausgebildete Lehrkräfte wie Nyamushs Lehrerin sind der wichtigste Garant für qualitativ hochwertigen Unterricht. Um allen Kindern das Lernen zu ermöglichen, ist es notwendig, dass die Lehrkräfte entsprechend auf die Vielfältigkeit in der Klasse vorbereitet sind. 

Inklusive Bildung ist das Prinzip, Menschen in diversen Gruppen zu unterrichten und dadurch „Bildung für alle“ zu fördern, das beinhaltet auch Menschen mit Behinderungen. Es ist ein umfassender Zugang, der die Umsetzung der Menschenrechte fördert, sowie die Teilnahme an der Zivilgesellschaft und Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen.

Stelio Ramos, Projektmanager für Inklusive Bildung in Mosambik 

Kinder mit Behinderungen fördern: Bei den Kleinsten anfangen 

Das gemeinsame Lernen und Inklusion beginnt weit vor dem eigentlichen Schulalter. Mehr als 50 Millionen Kinder unter fünf Jahren leben mit Behinderungen wie Autismus, intellektuellen Behinderungen, Verlust von Gehör oder Sehkraft und Sprachstörungen. Diese Zahl steigt stetig und ist allein seit 2016 um mehr als 70% gewachsen. Doch gibt es kaum öffentliche Stellen, die Kinder mit Behinderungen fördern.   

Mit der Therapie von Licht für die Welt hat Nyamush große Fortschritte gemacht. Als unsere Kolleg*innen sie das erste Mal antrafen, konnte sie sich nicht gut bewegen und war unterernährt. © Licht für die Welt 

Auch Nyamush wäre ohne Hilfe im Kleinkindalter nicht in die Schule gekommen. Als unsere Kolleg*innen im Südsudan sie mit eineinhalb Jahren im Flüchtlingslager antrafen, war sie unterernährt, konnte sich kaum bewegen und schlafen.  Eine dringend benötigte Operation und Therapie ermöglicht durch Licht für die Welt halfen ihr, auf die Beine zu kommen und ein aufgewecktes Kind zu werden. 

Bildung für nachhaltige Entwicklung 

Gemeinsam mit Ihrer Hilfe konnten wir 2021 mehr als 9.000 Kinder mit Behinderungen einen Schulbesuch ermöglichen. Wie wichtig Bildung für nachhaltige Entwicklung ist, zeigt auch die Verankerung des Themas in den Nachhaltigkeitszielen 2030. Um die Erreichung der Ziele zu unterstützen, arbeiten wir international mit Partnern zusammen und setzten uns für inklusive Bildung ein. Wir sprechen mit Ministerien und Regierungen, um neue Gesetze zu ermöglichen und arbeiten mit den Gemeinden an der konkreten Umsetzung unserer Unterstützung, um Kinder mit Behinderungen zu fördern.  

Nyamush trägt ihr gelbes Schulhemd und einen langen schwarzen Rock. Sie steht auf einer sandigen Straße mit ihren drei Geschwistern und lächelt in die Kamera.
Four-year-old Nyamush, a little girl we discovered in one of the IDP camps in Juba, South Sudan, smiling with her sister. She has hydrocephalus, and other growth/physical disabilities, but in the year and a half since we found her, she has started going to school (which she loves!) and is learning alongside other children.

Dank unseres Bildungsansatzes können Kinder wie Nyamush die Schule besuchen und ihr Potenzial entfalten. Unsere Lösungen wirken langfristig und sind innovativ, damit unsere Bemühungen auch zukünftigen Generationen zugutekommen und strukturelle Veränderung in den Gesetzen verankert und den Köpfen der Menschen möglich wird.